Die Arbeitswelt hat sich in den letzten 10 Jahren nachhaltig verändert. Mit der Digitalisierung wachsen die Anforderungen, in nahezu allen Branchen ist Multitasking gefragt. Die ständige Erreichbarkeit und ein hoher Lärmpegel in Großraumbüros führen langfristig zu Ineffizienz, verlangsamten Prozessen und im schlimmsten Falle zu Erkrankungen. Während vor 10 Jahren 10 % aller Krankschreibungen als Ursache ein psychisches Leiden hatten, waren es im vergangenen Jahr 16 %. Tendenz: weiter steigend. Der Arbeitspsychologe Dr. Jan Dettmers von der Medical School Hamburg untersuchte das Thema Auswirkungen permanenter Erreichbarkeit in der Freizeit. „Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass man so nicht richtig abschalten kann, was wiederum essenziell für die Erholung ist“, sagte Dettmers. Der Neurologe Dr. Manfred Spitzer wird in seinem weltweit beachteten Buch „Digitale Demenz“ noch deutlicher und behauptet, dass die digitalen Medien dem Menschen seine geistige Arbeit abnähmen und dem Gedächtnis stark schaden würden.

Wenn der Druck im Job zu groß wird und Angestellte sich ihren Aufgaben nicht mehr gewachsen fühlen, unter Angstzuständen leiden, nicht mehr schlafen können und weniger leistungsfähig sind, folgt zwangsläufig meist die Diagnose Burnout-Syndrom. Umfragen der Universität St. Gallen zufolge leiden 23% aller Beschäftigten darunter. 60 bis 80% aller Erkrankten äußern, dass die berufliche Situation maßgebend zu diesem Umstand beigetragen haben soll.

Dass Stress mit der Digitalisierung am Arbeitsplatz die Arbeitskraft schwächt belegt auch eine Studie der Universität Augsburg, bei der insgesamt 2640 Arbeitnehmer befragt wurden. Die Wissenschaftler fragten die Arbeitnehmer zunächst, welche von 40 Technologien sie bei der Arbeit nutzen - angefangen vom Festnetztelefon übers Navi bis zu künstlicher Intelligenz. Anschließend wurden Stressempfinden, berufliche Belastung und Krankheitstage abgefragt. Demnach leidet mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer, die sich hohem digitalen Stress ausgesetzt sehen, unter Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und allgemeiner Müdigkeit. „Nachweislich verringert übermäßiger digitaler Stress die berufliche Leistung, um zugleich mit einem starken Work-Life-Konflikt einherzugehen," heißt es darin. Hauptursache von Digitalstress ist laut der Augsburger Studie aber weniger die Technologie als solche als vielmehr mangelndes Wissen der Arbeitnehmer im Umgang damit. Einzelne Stressfaktoren sind demnach Komplexität und Unzuverlässigkeit der Technologie ebenso wie Sorge um den eigenen Arbeitsplatz. Weiters zeigte sich, dass Frauen digital gestresster sind als Männer und dass 25- bis 34-Jährige durch die neuen Technologien größere Belastung empfinden als ältere Kollegen.