„Ob der Philipp heute still wohl bei Tische sitzen will?“ stand einst im legendären „Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann. Ein Bub, der partout nicht still sitzen wollte, trieb seine Eltern zur Weißglut. Wie die Geschichte endet, weiß wohl jedesKind. Weit weniger bekannt ist, dass die Aufmerksamtkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) auch den Namen „Zappelphilipp-Syndrom“ trägt. Für viele Betroffene ist die verminderte Fähigkeit zur Selbststeuerung und Selbstkontrolle der blanke Horror. Sie beeinträchtigt Konzentration, Aufmerksamkeit und Impulskontrolle. Hyperaktivität, unüberlegtes Handeln, körperliche Unruhe und ein ausgeprägter Bewegungsdrang sind die Folge.

 

Energiebündel, Überflieger oder Versager? ADHS ist eines der meist verbreiteten psychiatrischen Krankheitsbilder bei Kindern und Jugendlichen. Experten gehen davon aus, dass im deutschsprachigen Raum 4 bis 8% aller Schulkinder unter einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung leiden. Buben sind etwa 3 bis 5 Mal häufiger betroffen wie Mädchen.

 

Auch Erwachsene können unter ADHS leiden, weisen aber neben Aufmerksamkeitsproblemen auch andere verschiedene psychische Störungen wie Depressionen, Angststörungen, Verhaltensauffälligkeiten oder Essstörungen auf. Inzwischen haben sich eine Reihe bekannter Persönlichkeiten zu ihrer AHDS-Erkrankung geoutet: Adam Levine etwa, Leadsänger der Band Maroon 5, erklärte, dass er erst als Erwachsener gelernt habe, seine Symptome zu akzeptieren. Andere nehmen ADHS mit Humor, wie der Rapper Will.I.Am und die Schauspieler Jim Carrey, Woody Harrelson und Will Smith, die bei Interviews ständig vom Thema abweichen. Bei Vokalwunder Justin Timberlake äußert sich ADHS so, dass vieles in seinem Leben nach einem genauen System geordnet sein muss. Anders bei „Twilight"-Star Kristen Stewart, die ständig mehrere Dinge gleichzeitig tun muss.

Viele Betroffene sind offenbar in der Musik- und Filmbranche sowie im Sport besonders gut aufgehoben. Möglichwese weil sie in bestimmten Nischen ihre Veranlagung in kreative und physische Energie verwandeln. Dazu zählen die Sängerinnen Jennifer Lopez und Britney Spears, die wegen Kleinigkeiten vollkommen ausflippen und ohne ersichtlichen Grund plötzlich aus dem Zimmer rennen. Ebenso wie TV-Koch Jamie Oliver, Basketball-Legende Magic Johnson und Schwimmer Michel Phelps, trotz AHDS erfolgreichster Olympionike aller Zeiten.

 

Auch Oscar-Preisträger Robin Williams, Kultsänger Curt Cobain, Dichter Hermann Hesse oder die Universalgenies Albert Einstein und Leonardo Da Vinci wurden posthum mit ADHS diagnostiziert.

 

 

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17.09.2017

Mag. Katharina Lhotsky